Grußwort des Bürgermeisters zum Volkstrauertag

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
 
das Ende des Zweiten Weltkrieges liegt nun 75 Jahre zurück. Für die meisten von uns hat der damalige Krieg einen festen Rahmen aus Jahreszahlen: 1939 – 1945. Zwischen diesen beiden Daten herrschte Krieg. Danach kam der Frieden, in dem wir hier, in den westlichen Demokratien, relativ gut leben.
 
Die Dimension dessen, was die Menschen in dieser Zeit erleben mussten, können wir nur erahnen. In unzähligen Familien wusste man nicht, ob Väter, Söhne und Brüder zurückkehren würden. Eine ganze Generation lebte in Angst vor Tod und Verfolgung, Zerstörung und Hunger, erlitt den Verlust von oft weit entfernt und einsam verstorbenen Angehörigen. Es leben heute noch Menschen unter uns, die in jungen Jahren erlebt haben, was Krieg und seine Folgen bedeuten und wie wertvoll Frieden und Freiheit sind. Zusammenhalt hat sie durch diese Zeiten voller Not geführt. Wir sollten diesen Zeitzeugen, besonders in diesen besonderen Zeiten voller Unsicherheit, gut zuhören und Ihnen beistehen -so gut es bei den Beschränkungen geht-. 
 
Brauchen wir den Volkstrauertag noch? Wenn man in die Welt hinausschaut, dann wird er von Jahr zu Jahr aktueller. Auch heute noch leiden Millionen Menschen unter Kriegen, Bürgerkriegen, Flucht, Vertreibung, Hunger und Gewalt. Nur weil viele von uns keine solcher Leiden am eigenen Körper erfahren müssen, dürfen wir unser Leben in Frieden trotzdem nicht als selbstverständlich hinnehmen. Wir müssen uns distanzieren von unselig ewig gestrigen Gedanken und ihren Trägern, deren Unsinn unseren Wohlstand und Sicherheit gefährden. Steuern wir unseren Beitrag zur Erhaltung des Friedens bei und halten Werte wie Toleranz, Hilfsbereitschaft, Respekt und Rücksicht für ein gutes Miteinander hoch.
 
Ihr Wolfgang Hofer
Bürgermeister

Herr Diehl und Bürgermeister Wolfgang Hofer bei der Kranzniederlegung in Essingen
Herr Diehl und Bürgermeister Wolfgang Hofer bei der Kranzniederlegung in Lauterburg

Auf Grund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie mussten wir die geplanten Gedenkfeiern zum Volkstrauertag in Essingen und Lauterburg in diesem Jahr leider absagen. Herr Diehl, 1. Vorsitzender des VDK Essingen, und Bürgermeister Wolfgang Hofer haben bei den Gedenkstätten auf den beiden Friedhöfen zu Ehren der Verstorbenen der Kriege und Gewaltherrschaft Kränze niedergelegt.

Die Geschichte des Volkstrauertags Der Volkstrauertag wird seit 1922, auf Vorschlag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, begangen. Die erste offizielle Feierstunde, zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges, fand im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Dabei rief Reichstagspräsident Paul Löbe eindringlich zur „Abkehr von Hass“ auf und warb für Versöhnung und Verständigung.
 
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erklärte die NSDAP im Jahr 1934 den Volkstrauertag zum staatlichen „Heldengedenktag“.  Damals auf den 16. März festgelegt, sollte er alle Deutschen in der Trauer vereinen, schloss jedoch Opfer, die nicht zur „NS-Volksgemeinschaft“ zählten, aus. Dann kam der Zweite Weltkrieg, der zwischen 60 und 70 Millionen Menschenleben forderte.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Volkstrauertag in Westdeutschland, mit Abgrenzung zum nationalsozialistischen Gedankengut, auf Betreiben des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge wieder eingeführt. Seitdem wird am Volkstrauertag auch der zivilen Opfer der Kriege gedacht. 1952 erließ die Bundesrepublik Gesetze über Feiertage – und regelte damit final, dass der Volkstrauertag immer zwei Sonntage vor dem ersten Advent stattfindet.
 
Heute wird am Volkstrauertag an die Opfer von Krieg und Gewalt erinnert und gleichzeitig zu Versöhnung, Verständigung und Frieden gemahnt. Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Berlin. Zu den Ritualen des Volkstrauertages gehören bundesweite Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen.